Das BALLHAUS OST ist die Arbeit einer Gruppe von Künstlern aus bildender Kunst, Tanz, Schauspiel, Wissenschaft, Theater, Bühnenbild und Musik, die im November 2005 ein offenes Haus für alle Gattungen der Künste gegründet haben. Die Vielstimmigkeit des Programms mit weit über zweihundert Veranstaltungen im Jahr, bestehend aus Theater und Tanz, Ausstellungen, Performances, Lesungen, Konzerten und Vorträgen befördert den Dialog der unterschiedlichen Kunstrichtungen.
10-04-15
PATIENCE AND HUNGER
Heute abend zeigen wir Euch die Premiere von Another. Fucking. Solo. Die amerikanische Tänzerin und Choreografin AMI GARMON hat gemeinsam mit dem Musiker GREG HAINES und dem Dritten Mann STEFFEN RUETTINGER ein zweiseitiges Album komponiert: Seite A, Patience and Hunger / Seite B, Everything grace was given (everything): Because memories like lovers want to be caressed forever...
Und die nächste Premiere folgt gleich morgen. Auch in TIM HABEGERS und RAHEL SAVOLDELLIS Worth#1 geht es um Liebessehnsüchte im weitesten Sinne, und auch um Hunger. Sieht man der Tatsache ins Auge, dass wir uns jetzt alle selbst verwirklichen müssen, da es ansonsten einfach nichts mehr zu tun gibt, dann ist man plötzlich bei der Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen und obendrein sogar bei einer verkappt politischen Art von Theater angelangt. Die Lage ist ernst. Doch das heißt zum Glück noch nicht, dass wir uns nun auch wahnsinnig ernst nehmen müssen.
Am 19. und 20. April ist SHELBY HOFER, Co-Leiterin des PUSHPUSH THEATER ATLANTA zwei Mal Peinlich, am kommenden Wochenende gibt es wieder einmal den HELMI-Evergreen Ödipus zu sehen (21. / 22. April) und anschließend begeben wir uns ins Trainingslager für die Norm-Olympics, die vom 28. April bis 02. Mai stattfinden werden.
10-04-09
DIE KRAFT DER STEINE
Morgen ist es soweit, die 2. Lange Nacht der Berliner Opern und Theater steht ins Haus. Einige erinnern sich vielleicht noch an das letzte Jahr - Our Darkest Night, es war turbulent, laut, überfüllt, chaotisch. Kurz: ein großer Spaß!
In diesem Jahr wollen wir gemeinsam mit Euch konzentriert Kräfte sammeln und Von der Nacht zum Licht wandern. Das Programm ist reduziert, das Aftershow-Lineup radikal eingedampft, Qualität statt Quantität. Es darf konspirativ, beruhigt, intim... und vielleicht trotzdem manchmal chaotisch werden...
Wir zeigen Euch u.a. eine interaktive Archäologie- und Stadtplanungsperformance von LUNATIKS PRODUKTION (LEGOlounge), ein spielerisches Referat mit Musik, Übungen und Ritualen von MARIA KAMUTZKI (Meister ohne Kreis) und ein dreiaktiges Mini-Beziehungs-Muscial von KID IKARUS & TROMPETINA (Unbekannt Together). Zusätzlich sind Previews auf zwei kommende Premieren zu sehen: Worth#1 von TIM HABEGER und RAHEL SAVOLDELLI (Premiere: 16. April) und Conte d’Amour (Premiere: 14. Mai), eine Zusammenarbeit von INSTITUTET (Malmö) und NYA RAMPEN (Helsinki), die ihr Showing im Rahmen der Langen Nacht unter die Überschrift Liebes-Dämmerung stellen.
Dann als abschließender Höhepunkt: DIE ZWEI ALLERBESTEN FREUNDE zum ersten Mal live auf der großen Bühne. Sie sind gut. Und sie können sehr schön singen. Und sie können auch sehr gut Witze erzählen. Sie haben auch Gefühle. Gute Gefühle: http://www.youtube.com/watch?v=3inso_LH4kw
Nach der Langen Nacht - am Sonntag, 11. April - zeigen wir noch ein Mal Bionade & Börsencrash, eine Kooperation von Studierenden der OTTE-FALCKENBERG-SCHULE München mit NICO & THE NAVIGATORS. Glaubensbekenntnisse im 21. Jahrhundert.
Und dann zwei Premieren in der kommenden Woche: Another. Fucking. Solo. von AMI GARMON am Donnerstag und Worth#1 am Freitag. Weiteres dazu dann.
10-03-24
AUSHALTEN
In den kommenden beiden Wochen präsentieren wir drei Produktionen, die sich in Zwischenräume des Aushaltens begeben.
Unsere Beziehungen sind schwerstneurotisch, die Familie ist ein Trauma und daran, dass uns Erlösung versprochen ist, werden wir zwar jedes Jahr zu Ostern erinnert, sie kommt dann aber doch immer wieder nicht. Also sind es vielleicht Übungen im Aushalten und Ertragen, in die wir Tag für Tag unseren Rest an Leidenschaft setzen: Mangel als Passion.
In Kooperation mit dem Puppentheater Halle zeigen wir Euch an diesem Wochenende FALK RICHTERS Wenn es Nacht wird. Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs. - inszeniert von Alice under Ground-Regisseur CHRISTIAN WEISE (Premiere Freitag, 26. März, nur zwei weitere Vorstellungen in Berlin am 27. / 28. März). Und Bilder davon, wie sich Paul, Tom und Stefan in die Krise stürzen, während die isolierte alte Mutter noch auf irgendetwas wartet, gibt es hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=7vLhNuJiAQM
Mit ihrer Schiller-Bearbeitung Am Arsch, die Räuber! haben DAS HELMI die deutsche Familientragödie radikalisiert: Die Räuberbande ist ein entwurzelter, verweichlichter Studentenclub, und Franz ein wirkungskalkulierender Aktionskünstler geworden. Amalia treibt erst alle in den Wahnsinn und lässt sie dann aufeinander los. Auch den Vater, der sich nie von seinen Geburten erholt hat. Am Ende sitzen alle eingesperrt im Schloss. Vorstellungen am 31. März und 01. April.
Die österliche 24-Stunden-Dauerperformance ¡Hermanos Caramba! Possibilities in an Ice Land. The Making of Passion Week 2011 (Ostersamstag, 16:00 Uhr, bis Ostersonntag, 16:00 Uhr) unternimmt dann Versuche, uns zu festigen, um den Zustand des Aushaltens doch noch ein weiteres Jahr ertragbar zu machen. Es werden Wege gesucht und überprüft, wie wir uns ausliefern und einlassen können. Aber wenn ein Krippenspiel nicht zeigt, wie verlorene Sicherheits- und Geborgenheitsgefühle zurückerlangt werden könnten, dann führt auch die Passion nicht zur Erlösung, sie verweist allein auf deren Möglichkeit.
In diesem Sinne: Frohe Ostern.
10-03-13
GELD ODER LIEBE
Vom 18. bis 21. März werden wir uns, gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern Push Push Theater Atlanta und "Der Freitag", vier Tage lang mit Fragen über die Liebe in Zeiten des Spätkapitalismus und Möglichkeiten ökonomischer und emotionaler Krisenbewältigung unter den Bedingungen des Selbstverwirklichungszwangs auseinandersetzen: Love and Economics!
Es beginnt am 18. März mit zwei Berlinpremieren: UWE MORITZ EICHLER und NICOLA AHR untersuchen in ihrer aus Atlanta importierten Inszenierung Bremen, Texas die Liebes- und Emanzipationstechnik des Giftmordes als mögliche Grundlage für beständige Paarbeziehungen. Im Anschluss bemüht sich DAS HELMI hingebungsvoll um die Reanimierung eines Fossils, eines polygam-romantischen Wesens aus einem deindustrialisierten Land vor unserer Zeit: Scheisse Schimanski, neu bearbeitet für das Ballhaus und für Love and Economics.
Im Freitag-Salon (20. März) diskutiert JAKOB AUGSTEIN mit ADRIENNE GOEHLER und RAHEL SAVOLDELLI unter anderem über die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und darüber, inwiefern diese Idee bei Überlegungen über die Neudefinition von Arbeit im allgemeinen und Kulturarbeit im speziellen berücksichtigt werden müsste.
Zusätzlich versprechen die Love and Economics-Tage Vorträge von JAKOB AUGSTEIN und dem Journalisten MICHAEL JÄGER (Preisgeben 1+2, 20. März), Impro-Theater Shows aus Atlanta mit Berliner Überraschungsgästen (Dad’s Garage, 19. / 21. März), Workshops, Kurzfilmscreenings, offene Gesprächsrunden und viel Liebe...
Da wir noch immer nach Mitteln suchen, unseren transatlantischen Gästen den Aufenthalt in Berlin so angenehm wie möglich zu machen, möchten wir zusätzlich auf folgendes aufmerksam machen: http://www.kickstarter.com/projects/pushpushtheater/zombie-squad-seeksbrains - Wer einen unterstützenden Teil zu Love and Economics beitragen möchte, kann das an dieser Stelle tun.
Außerdem empfehlen wir, die neue Produktion von CHRISTAN WEISE (nach Alice under Ground) schon einmal vorzumerken: Premiere von Wenn es Nacht wird. Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs. (Szenen und Samples von FALK RICHTER) am 26. März!
10-02-03
TRUE ROMANCE?
Unsere Produktionen der nächsten beiden Wochen (im übrigen nahezu ausschließlich unter weiblicher Leitung entstanden) öffnen Raum für angewandte Sentimentalismuskritik. Wir nehmen Stoffe und Themenkreise von Früh-, Spät- und Postromantik in Angriff.
Am kommenden Freitag (05. Februar) gibt es unsere erste Premiere im neuen Jahr. Die Musiktheaterregisseurin SOPHIA SIMITZIS verschneidet in ihrer mittlerweile dritten Produktion am Ballhaus (nach 6 Arien der Cleopatra und Didos Death. Zuschaun wie einer stirbt) Sieben Frühe Lieder von Alban Berg mit Herbert Achternbuschs Theatertext "Ella" zu einer kammermusikalischen Installation. Weitere Vorstellungen am 06. und 07. Februar.
Ebenfalls an diesem Wochenende: Drei weitere Vorstellungen von Frühling Erwache! (MICHAELA CASPAR). Das vielbeachtete Theaterprojekt mit gehörlosen und hörgeschädigten Jugendlichen reflektiert über die Möglichkeit von Kommunikationsräumen jenseits verbaler Sprache.
Die nächste Premiere folgt am nächsten Mittwoch (10. Februar) mit JUDITH VON RADETZKYS Schillerwerkstatt Louise Millerin. Ein Projekt, das sich im Laufe eines fast zweijährigen Arbeitsprozess über Kabale und Liebe einer jenseits von Schnellebigkeit und Oberflächlichkeit stehenden Arbeitsweise verschrieben hat: Sorgfalt und Präzision als Mittel zur Bekämpfung von Haltungsschäden.
Auch schon zum dritten Mal bei uns zu Gast ist das Hamburger Performancekollektiv MEYER&KOWSKI. In einer telefonisch (unter 030 47997474) zu ermittelnden Charlottenburger Außenspielstätte laden sie vom 18. - 20. Februar zu japanischem Essen, um sich gemeinsam mit ihrem Publikum über die Monogamie als Sehnsuchtsort und Konfliktherd auseinanderzusetzen. Im Mutterschiff in der Pappelallee stürzen sich zu gleicher Zeit DAS HELMI und CORA FROST drei weitere Male in die Matrix.
10-01-13
SURREALISMUS UND DIALEKTIK
Wir wünschen Euch allen ein frohes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2010!
Bei uns geht es - nach kurzer Winterpause - mit dem morgigen Donnerstag wieder los. Wir nehmen den Spielbetrieb auf mit drei weiteren Vorstellungen von CHRISTOPH WINKLERS konsequent-monotoner Experimentieranordnung Eine Geschichte. JÖRG SCHIEBE und MIRKO WINKEL untersuchen, wie Sätze und Bilder einerseits einen Text oder eine Realität konstruieren und wie andererseits eben diese Konstruiertheit uns mit dem Verdacht zurücklässt, dass uns Informationen vorenthalten werden. In dem Fall fällt es dann schwer, der Erzählung zu glauben... Am 14. / 16. und 17. Januar.
Am 21. Januar startet "Freitag"-Verleger JAKOB AUGSTEIN gemeinsam mit seinem Gast KERSTIN KAISER (Die Linke) ins neue Jahr, in welchem die Reihe Freitag-Salon sich dem Thema Beherrscht euch - Macht und Gegenmacht widmen wird. Anlässlich der aktuellen Situation der brandenburgischen "Linke"-Fraktion gehen sie der Frage nach, welche Handlungschancen Öffentlichkeit uns bieten kann, wenn sie auch heute zugleich Freiraum zu versprechen und Überwachung anzudrohen scheint.
Einen ziemlich undialektischen, weil mit der radikalen Überhöhung alles Wahrnehmbaren operierenden, Umgang mit unserer Wirklichkeit probieren dann am 23. Januar BARBARA EHWALD und JUERI GARGARINO: Die Kraft des Irrationalen! Eine opulente Gala unter der Patenschaft von Max Ernst, Luis Buñuel und Salvador Dali; der Abend beginnt mit einem surrealistischen Buffet und findet nach dem Flug des Vogels Loplop seinen Höhepunkt in einem Live-Remix von Wagners "Liebestod", der Soundtrack für ein Goldenes Zeitalter...
DAS HELMI wiederum haben schon immer ihr seismographisches Gespür für die wichtigen Themen und deren Aufbereitung bewiesen. In der nächsten Woche werden sie zwei Arbeiten aus der vergangenen Spielzeit und einen echten HELMI-Klassiker zeigen: Postkolonialismus und deutsche Tragödie in Faust auf Faust (22. Januar, feat. CORA FROST!), knallharter Realismus mit Romeo und Julia in Lichtenberg (23. Januar) und der Urmythos Ödipus (24. Januar).
09-12-09
ZWEI LICHTER
Nachträglich alles Gute zum 2. Advent. Gerne teilen wir Euch mit, dass wir unsere Geschenke auch dieses Jahr schon in der Vorweihnachtszeit verteilen.
Zunächst geht ANNE TISMER als Alice vier weitere Male under Ground. Es sind die vorerst letzten Vorstellungen der von CHRISTIAN WEISES inszenierten Reise ins Alptraumland mit halbgegarten Kaninchen, blasierten Eiern und zauberhaften Videoprojektionen von JULIA OSCHATZ. Eine dringende Empfehlung an alle, die das: http://www.youtube.com/watch?v=YU37hCUelEU noch nicht gesehen haben...
Am Donnerstag, 10. Dezember, folgt dann unsere letzte Premiere 2009: CHRISTOPH WINKLERS performative Bildererzählung Eine Geschichte über das Reale und die Wahrscheinlichkeit des Realen, die es immer mitzudenken gilt, in jedem Bild, das wir benutzen. Weil das aber keiner kann, ist das Reale nur wirksam, wenn man nicht darüber nachdenkt.
Zurück von einer Aufklärungsmission beim Impulse Festival (Let’s talk about Sex) beschenken uns DAS HELMI ab diesem Wochenende mit verschiedenen Stücken aus ihrem Repertoire: zu sehen gibt es Matrix, Leon der Profi und Am Arsch, die Räuber!.
In Matrix kämpft EMIR TEBATEBAI als Neo, der auserwählte Cyberpoet, gegen singende Agenten. CORA FROST als verführerischer Latexaal Trinity steht ihm dabei tapfer zur Seite. Leon der Profi trifft auf Gary Oldman in der Unterwelt von Berlin und Karl Moor kämpft mit seiner Selbsthilfegruppe gegen die Kastraten im Wald, die wohl irgendwas gegen Britney Spears haben.
Am 20. Dezember erzählt uns CATHERINE STOYAN in CHRISTIAN WEISES Catherlieschen Catherlieschen noch einmal das Märchen vom Frieder und seinem Catherlieschen und erinnert sich dabei an ihre Mutter bevor wir an Heiligabend mit unserem jährlichen Krippenspiel gemeinsam Nachforschungen über die Teilbarkeit von Wärme anstellen und uns alle so richtig in Weihnachtsstimmung bringen.
09-11-30
MORD UND TOTSCHLAG
Zunächst eine Eilankündigung für Kurzentschlossene: Bevor ihn seine Tournee weiter nach Kreuzberg nimmt, trommelt MOHAMMAD REZA MORTAZAVI, iranischer Tombakspieler, der zu Beginn der Spielzeit in AYAT NAJAFIS Tehran Banou viele begeistert hat, heute abend noch einmal solo bei uns auf dem Balkon: http://www.youtube.com/watch?v=FdmBG02MRys
Am kommenden Freitag, 04. Dezember, haben wir dann volles Haus: Zu Gast an diesem Abend sind das Ensemble der JVA FÜR FRAUEN PANKOW, "Freitag"-Verleger JAKOB AUGSTEIN mit Gästen, zehn Live-Zeichner von DRAMALIGHT und TORBEN KESSLER als das gesamte Personal des Wolf Haas-Krimis Komm, süßer Tod.
Verbrechen und Strafe I (von DIRK MORAS und KRZYSZTOF MINKOWSKI) setzt sich auseinander mit Raskolnikows Entscheidung für den Mord und spiegelt diese Auseinandersetzung an der Lebenswirklichkeit der inhaftierten Frauen auf der Bühne.
JAKOB AUGSTEIN hat zur zweiten Ausgabe seines Freitag-Salons KATJA KIPPING, ULF POSCHARDT und JOHANNES VOGEL eingeladen, um mit ihnen über Die schwarz-gelbe Republik zu diskutieren; inwiefern auch hier Schuldfragen bearbeitet werden müssen, ist noch nicht abzusehen.
Unter dem übergeordneten Motto "Verbrechen und Tod" will das Illustratoren-Projekt Dramalight zehn Klassiker der Literaturgeschichte in Comicstrips verdichten und präsentiert in einer Ausstellung aktuelle Arbeitsstände. Die Ausstellungseröffnung wird begleitet von einer Lese- und Zeichenshow am Lichttisch und anschließendem Konzert.
Am gleichen Abend und auch am 05. Dezember zeigt KLAUS GEHRE im Rahmen eines Gastspiels der Box / Schauspiel Frankfurt seine frisch uraufgeführte Live-Film-Adaption von Komm, süßer Tod. Mord und Intrigen und mitten drin der Brenner, der eigentlich gar nichts mehr mit Mord zu tun haben wollte. TORBEN KESSLER spielt Brenner, Klara und 12 weitere Figuren in einem selbstgebastelten Miniaturwien-Filmset, und das sieht so aus: http://www.youtube.com/watch?v=vCmXraFURBk
Zusätzlich zeigen wir ab dem 05. Dezember wieder die Matrix-Bearbeitung von DAS HELMI mit CORA FROST als Trinity und Mr. Anderson als fliegendem Schamanen, der einem schrecklichen Verdacht nachgeht.
Ab nächste Woche wird es vier weitere Vorstellungen der von CHRISTIAN WEISE arrangierten Reise ins Alptraumland Alice under Ground (09.-12 Dezember) geben und der Choreograph CHRISTOPH WINKLER erzählt uns in seiner ersten Produktion am Ballhaus Ost Eine Geschichte (Premiere 10. Dezember), mehr dazu dann...
09-09-29
UNDERGROUND II
Weiter geht es in die Untergründe von Phantasie und Erinnerung: Am morgigen Mittwoch, 30. September, zeigen wir Euch die Premiere Alice Under Ground von CHRISTIAN WEISE. Die einstmals kleine Alice ist erwachsen geworden und wohnt jetzt im Prenzlauer Berg. Eigentlich will sie nur ein Kaninchen braten, doch das Tier befreit sich aus ihrem Kühlschrank und springt durch die Kloschüssel ins Wunderland. Alice also hinterher, wo sie bei Klapperstorch, Osterhase, Ei und Grinsekater landet und sich plötzlich in einem Labyrinth ihrer kindlichen Erinnerungen wiederfindet. Alle bekannt geglaubte Logik ist hier ins Gegenteil verkehrt, ein alptraumartiger Trip durch das Wunderland von Alice’s Phantasie beginnt...
Einen Eindruck davon, wie das aussehen wird, gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=YU37hCUelEU
Als Sonderveranstaltung zum internationalen Tag des Übersetzens bieten Drama Panorama am 30. September zwei Highspeedworkshops zum Thema Shakespeareübersetzung an, um dann am 06. Oktober zur letzten Ausgabe ihres Forums für Theater und seine Übersetzer in 2009 einzuladen. Diesmal erhalten die Dramaturgen das Wort: MALGORZATA SEMIL, WILLIAM DREW und CHRISTINE RICHTER-NILSSON diskutieren über die Herausforderung, internationale Stücke auf internationalen Bühnen zu zeigen und präsentieren zusätzlich eine Auswahl neuer Theatertexte.
Die nächste Premiere folgt am 07. Oktober. In MICHAELA CASPARS Inszenierung Frühling Erwache! finden die persönlichen Erfahrungen der jugendlichen Darsteller ihren Ausdruck in Gebärdenpoesie. Gehörlose, Schwerhörige und Hörende spielen gemeinsam und nähern sich den großen Themen der Pubertät an: Von Frühlingsgefühlen und der ersten großen Liebe, von Wut, Angst, Mut und Lebensträumen in einer Welt des Hörens, Sehens und Zeigens.
Zusätzlich gibt es am 04. Oktober eine öffentliche Probe von The Cowboy, The Princess and The Chicken, der neuen Produktion von BANALITY DREAMS sowie ab dem 08. Oktober die Wiederaufnahme von Catherlieschen Catherlieschen mit drei Vorstellungen: CATHERINE STOYAN memoriert sich im Erzählen des Grimm’schen Märchens vom Frieder und vom Catherlieschen zurück in Ihre Kindheit und erinnert sich dabei an alles über ihre Mutter.
09-09-09
UNDERGROUND I
Ein bißchen renoviert und ein bißchen so wie immer laden wir am kommenden Wochenende zum Auftakt der Spielzeit 2009 / 2010: Ein Blitzstart mit vier Premieren bis Ende September!
Den Anfang macht am 11. September der iranische Regisseur AYAT NAJAFI mit Tehran Banou: Lady Teheran. Auf der Suche nach den Geschichten der Lady Teheran, einst Star des persischen Kinos, taucht Najafi ein in den labyrinthischen Untergrund von Teheran. Ausgestoßen und auf der Flucht sucht die Lady Unterschlupf bei Dieben und Gangstern – ein Milieu, in dem ihre Kunst nichts zählt? Nein, letztendlich ist es das Theater, das ihr und anderen einen Widerstandsraum eröffnet, in dem die bedrohlichen Veränderungen von damals und heute überhaupt auszuhalten sind.
Widerständig, untergründig und absolut bereit für den Aufstand sind dann ab dem 16. September auch DAS HELMI und seine Puppen. Eingeschlossen in einer aalglatten, schwarzen Latex-Raumkapsel kämpfen sie gemeinsam mit Orakel, Schildkröte, Straßenkehrer Miro und Wolfi, dem Clochard, für die Befreiung der aufgedunsenen Riesenbabys aus ihren Badewannen. Eine Truppe formiert sich um Neo – den Auserwählten – und alle helfen zusammen, die Matrix zu zerstören.
Am 19. September setzt sich die Geschichte von Sarah Sani fort. Sie ist zur Frau geworden, sie liegt in Scherben, heute heißt sie Zarah Zani: ¡Hermanos Caramba! Suitable for foreign tourists: La infamia de Barcelona von JOHANNES KRAAK und DANIEL SCHRADER spielt, als nachbarschaftliches Kooperationsprojekt, in weiten Teilen im zurecht „Lonely Planet“-empfohlenen Glaskasten „Klub der Republik“ (Pappelallee 81). Eine Performance aus dem Geiste der unangestrengten Frühdemenz; über die guten alten Auf- und Abwertungsökonomien von Underground und Mainstream und die Feststellung, daß Easyjetset und spanische Touristen nur die gerechte Strafe sind für das, was wir Barcelona angetan haben.
20. und 21. September: Marco – Ein ganz normaler Junge fährt in die Ferien, trifft ein Mädchen in der Disco und folgt ihr ins Hotelzimmer. Am nächsten Tag muß er ins Gefängnis, aber was hat Marco eigentlich getan? Ein Dauer-Work-in-Progress von DAS HELMI, das erst dann zu einem Abschluß kommen kann, wenn endlich Gerechtigkeit für Marco kommt!
Ende September folgen wir einem blutigen Kaninchen – Alice geht Under Ground, mehr dazu dann...
09-06-24
FREI ÜBERSETZT
An diesem Freitag, den 26. Juni, wird bei uns gereimt und gekalauert, geredet und gewendet. Das Theater-Übersetzerforum Drama Panorama lädt zu seiner zweiten Veranstaltung, bei der es diesmal um die ambivalente Beziehung zwischen Klang und Sinn einer Theaterübersetzung geht.
Mit dabei sind die polnische Sprachkünstlerin DOROTA MASŁOWSKA und ihr deutscher Übersetzer OLAF KÜHL. Sie präsentieren einen Einblick in ihre Arbeit, unter anderem mit einer szenischen Lesung aus einem neuen Text der Masłowska.
Ebenfalls Freitag und am Samstag ist nochmal Tötet die Traurigen und die Welt wird fröhlicher von MALTE SCHLÖSSER zu sehen. Hier gibt es weniger Sprach- und dafür mehr Gedankenspiele: über unsere Befindlichkeiten, die ja ein Recht auf uns haben und die Suche nach einem Ort irgendwo zwischen Lebenskunst und Kunstgewerbe, an dem man das alles mal richtig erzählen kann. Auch das böse Wort Authentizität muß dabei natürlich wieder fallen.
Nächste Woche Mittwoch, am 1.Juli, dann die Berlinpremiere der neuen Produktion von DAS HELMI: Am Arsch, die Räuber!, ein echter Schiller, uraufgeführt in Mannheim bei den diesjährigen Schillertagen.
Schon dort mußten der schöne Karl und seine studentische Selbsthilfegruppe leider feststellen, daß das mit dem Räubersein heute gar nicht mehr so einfach ist. Im Wald herrschen die Kastraten und keiner will die neugegründete Bande ernstnehmen. Kein Wunder, denn die haben Britney Spears zu ihrem Idol erkoren und werden vor allem durch peinliche Choreos auffällig. Im Schloß tummeln sich unterdessen alle in der Badewanne und man fragt sich, ob Amalia wohl auch mit Kermit dem Frosch geschlafen hat. Der alte Moor hat ein Geburtstrauma und will deshalb nicht mit Franz in Kino; auch eine Tragödie, aber die Drehbühne dreht sich schön...
09-06-09
DIE WELT IST NICHT GENUG
Da das Juniwetter auch weiterhin prächtige Voraussetzungen für Indoor-Theater liefert, widmen wir uns in den nächsten Wochen großen Themen.
Den Anfang macht diese Woche das neue israelisch-deutsche Theaterlabel LESS MESS von EFRAT STEMPLER und MARTIN STIEFERMANN mit Wir erklären die Welt 1 - Das Mauer Spiel: Ein Land baut eine Mauer auf, ein anderes reißt eine ein, was bleibt sind Schranken in unseren Köpfen. In einer interaktiven Performance dreht sich alles um den Appell ?Farbe bekennen!", der Zuschauer entscheidet selber, welcher Performer am Ende das größte Stück vom Kuchen bekommt. Wir erklären die Welt - und wenn nicht, dann laßt uns doch zumindest nochmal über die Grenzen verhandeln! Berlinpremiere morgen, 10. Juni.
Ab dem 17. Juni bemüht sich dann MALTE SCHLÖSSER mit einem neuen Text, den er auch gleich selber inszeniert, um Welterklärung. Tötet die Traurigen und die Welt wird fröhlicher will Prothesen aus dem Leben ins Theater legen und umgekehrt. Wie ist das mit diesem Dazwischen, in das sich unsere Lebenswelten ausbreiten? Unsere Befindlichkeiten und unsere Ängste, die haben doch ein Recht auf uns: deswegen suchen wir nach einem Ort, an dem wir sie erzählen können, irgendwo zwischen Lebenskunst und Kunstgewerbe...
Und ein Vorausblick auf den 1. Juli: nachdem sie mit Goethe fertig sind, haben sich DAS HELMI nun seinen Kollegen Schiller vorgenommen. Dessen Räuber sind jedoch am Arsch und ärgern sich im Wald mit den Kastraten rum, die mittlerweile die Welt beherrschen. Außerdem zu sehen: die kleinste Drehbühne der Welt...
09-05-20
TAKE ME HOME
Ab morgen, 21. Mai, und noch bis Samstag zeigen wir Euch als Kontrastprogramm zu Herrentag und Sommerausbruch die Tanzperformance Take me home with you von AMI GARMON.
Musik, Textfragment und Bewegung werden hier vereint in einer sinnlichen Bilderkomposition aus Schmerz, Emotion und Hysterie. Bewegung wird Erinnerung und Reflektion über Bedeutung, Bedeutungslosigkeit, Unausgesprochenes und Unaussprechbares - worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man tanzen! Qualvoll, kraftvoll, und ein bißchen wahnsinnig...
Einen visuellen Vorgeschmack auf Take me home with you gibt es hier: www.amigarmon.net/TMHWY.htm.
Weiterhin ist in der 3. Etage die Ausstellung Tatsächlich Gott II! Adam & Eva: die Kraft der Vergeltung des Künstlerkollektivs MUSTERWOHNUNG zu sehen. Auch an diesem Wochenende begleitet von Aufführungen einer von der MUSTERWOHNUNG selbst entwickelten und gespielten Live-Performance: Eva fragt nach der richtigen Größe ihrer Brüste. Oder doch nach der Existenz von Paradies und Freiheit? Und am Ende interessiert sich Gott gar nicht für die Künstler, obwohl die doch den Gottesbegriff prägen!
Über Pfingsten machen wir frei. Dann biegen wir ab Anfang Juni auf die Zielgerade zum Spielzeitende: noch fünf Premieren, dann sind Ferien.
09-05-01
SCHÖNE FIGUREN
Zunächst einmal ein kleiner Rückblick auf das vergangene Wochenende und Our Darkest Night: Unsere Veranstaltung im Rahmen der ersten Berliner Langen Nacht der Opern und Theater war nahe am Wahnsinn. Ein Andrang, mit dem wir niemals gerechnet hatten, unzählige Sondervorstellungen von Rahel, den Helmis, Dynamo West, Ada, Elisa und allen anderen, um die unglaubliche Nachfrage zumindest ein wenig zu befriedigen. Unter heftigstem Einsatz aller Künstler, Spieler, Performer, Musiker ist es uns am Ende gelungen, einen tollen Abend für über 2000 Besucher zu bieten, von denen einige auch noch weit über das offizielle Ende der Veranstaltung hinaus bei uns bleiben wollten - was für eine Nacht...
Und nun - nachdem wir uns alle erstmal ein wenig erholen mußten - geht es weiter. Dieses Wochenende zeigen wir Euch (auch aufgrund häufiger Nachfragen) die Wiederaufnahme von CHRISTIAN WEISES biographischem Rechercheprojekt Hintergarten von, mit und über OSCAR OLIVO und HANNES BENNECKE, das zu unser großen Freude zum 16. Internationalen Figurentheater-Festival eingeladen wurde und am 18. Mai auch in Erlangen zu sehen sein wird.
Am Sonnabend, 02. Mai, ist Hintergarten im Doppelpack mit der Hamburger Produktion Kopfgrenzen von ANNA SCHILDT zu sehen: zwei Wege, Biographie auf dem Theater zu be- und verarbeiten, an einem Abend zum Kombipreis.
Ebenfalls an diesem verlängerten Maifeiertagswochenende: die nach Lichtenberg adaptierte Romeo und Julia-Fassung von DAS HELMI (das mit Leon der Profi und Faust auf Faust ebenfalls beim Figurentheater-Festival vertreten sein wird). Als besonderes Angebot an alle jungen und älteren Ein-, Zwei- oder Mehrkindfamilien gibt es die schönste Liebesgeschichte der Welt am Sonntag, 03. Mai, schon um 17:00 als Familienvorstellung mit besonderen Konditionen für alle Kinder, die Mutti und Vati überreden, ihr Elterngeld bei uns anzulegen - wir feiern die Geburtenquote!
09-04-24
BUSFAHRN
Morgen ist es soweit: Die erste Berliner Lange Nacht der Opern und Theater steht bevor. Und es könnte unsere dunkelste Nacht werden...
Anläßlich der Theaternacht werden wir im Rahmen unseres BALLHAUS-Spektakels Our Darkest Night das Haus in einer Weise bespielen, wie wir es noch nie zuvor getan haben. Geisterbahn im Keller (I am not dead, but I am divided), Performance im Kassenhäuschen (Sieh und glaube), Kunstinstallation im Magazin (Lomé la fiancée!), Kartoffelsuppe auf dem Balkon, Urheberschaftsdiskurs unterm Dach (copyME), DAS HELMI-Puppenexplosion überall (u.a. Joy of Sex), Konzerte im Saal (u.a. HARNDORF und AMPL:TUDE). Das ist nur ein Auszug aus dem, was wir vorhaben, denn es gibt noch viel mehr (sogar Shakespeeeeeeeeeeeeeare)!
Unten findet Ihr unser komplettes Programm, aber ähnlich wie bei der Deutschen Bahn sei dazu gesagt, daß solche Fahrpläne stets mit Vorsicht zu genießen sind. Wir glauben nicht an Uhrzeiten. Darum kommt am besten einfach vorbei und haltet Euch an die Pöbelperformer von ¡HERMANOS KARAMBA! im Foyer. Sie werden Euch - stets um größte Freundlichkeit bemüht - sagen können, was gerade läuft, was gut ist und was mal gar nicht geht. Wir geben alles, wir versprechen, Euch in Winkel unseres Hauses zu führen, die Ihr noch nie gesehen habt.
Und ein zusätzlicher Hinweis: Wenn die Lange Nacht vorbei ist, dann haben wir die Längere...
09-04-01
WIR SIND FAMILIE
Zwei Premieren in drei Tagen stehen ins Haus.
Den Anfang macht heute, am 01. April, unsere BALLHAUS-Institution DAS HELMI, die sich ziemlich unsentimental an die schönste Liebesgeschichte der Welt gemacht haben: Romeo und Julia in Lichtenberg, und das komplett ohne Gefühls- oder Sozialkitsch! Stattdessen muß einmal absolut sachlich analysiert werden, wie sich denn nun Billybob-Kevin-Prince Großohr und Lisa-Veronique-Mandy Langnase irgendwo zwischen Geisterviertel und Ringcenter 2 finden und wieder verlieren konnten. Und warum ein Großschriftsteller und Lichtenberger Urgestein mit der ganzen Aggro-Scheiße nichts mehr zu tun haben will. Nach Heiner Müller vierzehnter Stock rechts. Auch Bushido hat versprochen, sich zu den Vorkommnissen zu äußern.
Die zweite Premiere am Freitag, 03. April, beschäftigt sich in einer anderen Weise ebenfalls damit, wie ganz bestimmte Bedingtheiten einer Umgebung sich auf Menschen auswirken können. Catherlieschen Catherlieschen ist - nach Hintergarten - die zweite Produktion des Regisseurs CHRISTIAN WEISE bei uns. Wir treffen darin auf die Schauspielerin CATHERINE STOYAN, die uns erzählt, wie ein nahezu unbekanntes Grimm-Märchen, dessen Ende man sich auch beim hundertsten Mal nicht merken kann, zum Sound ihrer Kindheit wurde. Dazu kommen dann noch viele, viele Lieder und die eine oder andere Ballade, so ist das nämlich, wenn die eigene Mutter eigentlich eine Musikbox ist. Im Hintergrund rumpelt und raschelt JULIA OSCHATZ sehr charmant mit viel Pappe und Folie, während VIKTOR SOHLSTRÖM das Kunststück vollbringt, gleichzeitig zuzuhören und zu begleiten.
Und ein Ausblick auf Ostern, das Fest der Auferstehung: am 11. April wird sich das, was man verbrauchte deutsche Jugend nennt, bei uns versammeln. Sie sind bleich, dumm, zynisch, unromantisch, versaut und kaputt, und trotzdem tragen sie vielleicht noch so etwas wie einen utopischen Kern in sich - Jetzt aber Fùhuó. Wir werden wieder auferstehen
09-03-05
MAHLZEIT
Man kennt das: kaum ist einmal die ganze Familie am Tisch versammelt, nimmt das Drama auch schon seinen Lauf. So auch in PHILIPP GUHRS neuem Stück Onkel Benz gelingt immer und die Katze in dem heißen Fettnapf, das am Freitag, 06. März, bei uns uraufgeführt wird.
Alle sind sie da. Zum Beispiel dieser Typ aus diesem Film, dessen Titel ich zuletzt beim Filmeraten nicht gewußt habe, oder aus diesem Stück von dem Dingsda, wie hieß der nochmal? Dieser Brick ist da und seine Frau auch, die Maggie. Und er ist meistens irgendwie neben der Kappe und sie kann keine Kinder bekommen. Oder sie will keine Kinder bekommen. Darüber kann man zum Beispiel schon einmal herrlich streiten, und das wird dann auch gemacht. Ist sie nur depressiv, weil sie keine Kinder in eine Welt setzen will, in der eine Supermacht sich einen Erholungsplan gönnt, von dem jeder Mensch in der Dritten Welt bis zu 13 Paar Birkenstocksandalen kaufen könnte? Oder liegt der Grund ihrer Kinderlosigkeit doch darin, daß er, also Brick, zuviel von dem Zeug aus Tennessee trinkt? Ziemlich unklar, das alles. Der große Vater und die Mutti sind übrigens nicht zum Familiendinner erschienen, was auch ein Problem sein dürfte.
Dafür können Sie, werter Gast, sich an diesem Abend auf Existenzminimum-Niveau bewirten lassen, so Sie denn bereit sind, sich in die Ersatzfamilie einzukaufen. Lohnen tut sich das allemal, denn die Kunst des Schauspiels und die Tugend der Gastfreundschaft liegen heute nah beieinander: "Das ist ein Sperrtermin, da muß ich kellnern, ihr Vollpfosten!"
Nächste Woche werden dann bei uns wieder weniger raue Töne angeschlagen: Wüste Wüste - radikalexperimentelle Musiktheateranordnung von ANTENNE PERNOT - hat Premiere am Donnerstag, 12. März. Schon einmal vormerken, mehr dazu dann.
09-02-03
ICH KANN’S NICHT FASSEN
Wir möchten Euch heute einladen zur Premiere von Frauenliebe, Inc. am morgigen Mittwoch, 04. Februar.
JOHANNES MÜLLER gleicht in seiner Inszenierung das betulich-romantische Ideal der treuen und hingebungsvollen Ehefrau bei Chamisso und Schumann ab mit zwei etwas anderen weiblichen Lebensentwürfen. Zum einen die Serienkillerin Geesche Gottfried: Zeitgenossin von Chamisso und frühe Aktivistin der Emanzipation aus dem Geiste des Giftmordes. Zum anderen die amerikanische Erfolgsunternehmerin Martha Stewart und ihr florierendes, sich unter vollem Medieneinsatz selbst promotendes Haushaltsimperium: Unabhängigkeitskrieg mit den Waffen von Heim und Herd - "Helft mir, ihr Schwestern!"
Zu hören gibt es zudem eine absolut besondere neue Stimme. DENISE SCHÖNEFELD, frisch gekürte Erstpreisträgerin des Bundeswettbewerbs Gesang, interpretiert Schumanns Liederzyklus, der dann im übrigen auch doch wieder einmal unfaßbar schön ist.
Danach spielen wir nach längerer Zeit wieder die Übersetzung der antiken Ödipus-Tragödie von DAS HELMI. Diese wird am 13. und 14. Februar so brutal und treffend wie nie auf den Punkt gebracht: "Fickst du meine Mutter, fick’ ich deine", oder meine, oder so? Oder auch "Meine Mutti ist die beste!", so hört man das auf den Spielplätzen in unserer Nachbarschaft, trifft es das nicht genauso?
Am 18. Februar dann schließlich eine weitere Premiere in diesem Monat: RAHEL SAVOLDELLI zeigt copyME, eine Urheberschaftsdiskursperformance. Das war im Theater auch mal Zeit, daß sich jemand damit beschäftigt: Wer will gefühlte 20 neue Hamlets pro Jahr sehen, von denen sich jeder einzelne als Orignalkunstwerk behaupten muß? Was für Möglichkeiten bieten open source-Ideenmanagement und -verbreitung für die Arbeit im Theater? Ist es möglich, Genugtuung aus dem Erfolg eines anderen zu beziehen?
Nach den Vorstellungen am 19. und 26. Februar lädt RAHEL SAVOLDELLI zum Publikumsgespräch gemeinsam mit TIM HABEGER, Leiter des Push Push Theaters in Atlanta, der Vorreiter auf dem Gebiet der Theaterproduktion unter Zuhilfennahme von offenen Quellen ist. So langsam können wir ja auch wieder damit beginnen, von den Amerikanern zu lernen. Schaut Euch nur mal Martha Stewart an.
08-12-05
BYKOVO
Flughafen Bykovo: gelegen in (oder in der Nähe von) Moscow. Hat eine unbekannte Anzahl Landebahnen. Bykovo-Flughafen in Moscow, Russische Föderation, liegt in einer unbekannten Zeitzone. Der Flughafen wird durch die International Air Transport Association (IATA) angedeutet mit dem Flughafencode BKA.
Was aber niemand weiß: aus Bykovo, nämlich diesem geheimnisvollen Ort in einer unbekannten Zone mit dem angedeuteten Flughafen, der über eine unbekannte Anzahl Landebahnen verfügt, kommt auch KATERINA POLADJAN, oder besser gesagt, ihre Großmutter. Und die kennt Jurij Gagarin persönlich, ist aber bis heute nicht mit ihm in den Kosmos geflogen, obwohl sie selber an seinem Raumschiff mitgebaut hat und sich bis heute fragt, warum eigentlich die Amis als erste auf dem Mond waren. Der Guglhupf, den der Liebhaber von Katerinas Babuschka damals vor 50 Jahren nicht essen wollte, schmeckt überraschenderweise heute noch ganz gut, wirklich.
Wo komme ich her? Und wo gehöre ich hin? Oder anders gefragt: Wie desorientiert muß ein Fußgänger sein, damit er mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit einen Schritt zurück geht? Und: Ist er tatsächlich desorientiert oder tanzt er? Wenn ich träume, daß Wladimir Putin auf dem Bauch meiner Großmutter schläft, möchte ich über Revolution nachdenken.
Von Bykovo, eine Performance über die Justierung der eigenen Biografie in den Koordinaten der Emigration am 05. und 06. Dezember (Nikolaus!) – unbedingt anschauen!
Weiterhin im Dezember The Best of the Rest: 7x Die helle Nacht des Nichts der Angst (MAUKSCH), 3x Hintergarten (WEISE), 5x Wake Island (LUBRICAT), 3x Das blaue Meer (KÖNIG), 3x Faust auf Faust (DAS HELMI). Und zur Krönung am Heiligen Abend: 4x die Geburt Christi, ein echtes Krippenspiel mit Ochs und Esel und den Ballhaus-Allstars sowie einer gehörigen Portion Wärme und Liebe.
08-11-19
LAND IN SICHT
Aus aktuellem Anlaß widmet sich die LUBRICAT THEATRE COMPANY in ihrer neuen Produktion dem Thema Seefahrt. Denn genau jetzt, da unsere dringend benötigten Rohstoffe von Piraten des Spätkapitalismus am Horn von Afrika gekapert wurden, erinnern wir uns mit Wake Island (Premiere am Freitag, 21. November) einmal an die tatsächlichen Pioniere der Globalisierung aus dem 19. Jahrhundert.
Und dabei spielt der tragische Schiffbruch der Bremer Dreimastbark Libelle auf dem Pazifikatoll Wake Island im Jahr 1866 eine weitaus weniger bedeutende Rolle als die Reise selber, die Dauer als Zustand. Ein merkwürdiges globales Potpourri ist es, das sich da auf und unter Deck zusammengefunden hat. Die Vorzüge von japanischen Leiharbeitern gegenüber Schwarzen für den Zuckerrohranbau auf Hawaii werden genauso verhandelt wie die Frage, mit welchem passenden oder unpassenden Kostüm man auf den Opernbühnen verschiedener Weltkulturen die größte Wirkung erzielt. Ausbeutung und Kunstdiskurs on Board, und am Ende steht das Riff.
Schon seit Anbeginn weltumspannend orientiert und dabei doch fest und absolut lokal im Ballhaus verwurzelt ist selbstverständlich auch DAS HELMI. Ihr Kultabend Leon der Profi nach dem Film von Luc Besson ist am 20. und 22. November wieder bei und zu sehen.
Der Worldwide Wust sowie Identitätsfindung und die Suche nach eingelösten Liebesversprechen im Marken- und Produktdschungel bilden auch den Ausgangspunkt unserer nächsten Premiere in der kommenden Woche: Restglam oder wie werde ich im Warenhaus von GUNDULA WEIMANN ab dem 27. November.
Mit Blick auf den Dezember gilt es jetzt schon vorzumerken, daß es die Möglichkeit gibt, viele unserer neuen Produktionen seit Anfang der Spielzeit noch einmal zu sehen, garniert mit einer kleinen feinen Überraschung am Heiligen Abend...
08-10-31
VERTRAUEN
Heute von uns einmal etwas zum Denken: Und zwar ist es ja so, daß in der hellen Nacht des Nichts der Angst die ursprüngliche Offenheit des Seienden ersteht als ein solches, daß es Seiendes ist und nicht nichts. Und genau darum brauchen wir die Angst. Wir alle brauchen sie und ganz besonders braucht sie Cécile. Denn sie ist nun einmal nicht nur die Cécile aus Françoise Sagans berühmtem Roman Bonjour tristesse, sondern sie bildet auch das Zentrum von SEBASTIAN MAUKSCHS neuer Produktion Die helle Nacht des Nichts der Angst (Premiere heute, 31. Oktober). OKKA HUNGERBÜHLER ist Cécile.
Und wenn nun Patchworkideologien nicht mehr nur moderne Familienbilder prägen, sondern sich auch mit Vehemenz in künstlerische Arbeitsprozesse hineindrängeln wollen, dann gibt es da doch einen entscheidenden Einwand, der jeder Mama und jedem Regisseur einmal vorgebracht werden sollte: Ist Verständnis eine adäquate Reaktion auf Vertrauen? Eher nicht. Also bitte weiterdenken.
Am 03. November wird dann gleich weiter vertraut: In Ein Abend mit Lieschen Müller betritt die Schauspielerin und Performerin ELISA MÜLLER um 21:00 Uhr unseren großen Saal. Und sie vertraut einfach mal darauf, daß entweder ihr oder ihrem Publikum bzw. umgekehrt dem Publikum, dem sie gehört, etwas einfallen wird, wie man einen schönen oder schmerzhaften aber höchstwahrscheinlich erkenntnisbringenden Abend im Theater verbringen könnte.
Mit der Aufnahme dieses Solos in unser Programm bereiten sich das Ballhaus und ELISA MÜLLER auf die Premiere ihrer neuen Produktion Ich sehe was, was du nicht tust. Wie eine Geschichte zu erzählen am 07. November vor.
Und noch etwas im Vertrauen: die lustige Truppe von torstrasse-intim hat sich im Schneideraum eingeschlossen, um uns allen nächste Woche eine ganze Reihe frischgepreßter Folgen von der weltweit ersten deutschen Internet-Sitcom zu präsentieren (06. November).
08-10-22
BRENNSTOFF
Die Opernsaison im Ballhaus beginnt: Die Premiere von starshipUtopia am morgigen Donnerstag, 23. Oktober, ist zugleich die erste Produktion des Musiktheaterlabels OHRPILOT bei uns. Und natürlich ist hier alles etwas anders als man es ansonsten aus der Oper kennt. Der Stoff ist Science Fiction, das Orchester eine Batterie von Synthesizern, das Soloinstrument eine Teslaspule. Das Libretto verdichtet mehr utopische Literatur, als man auf einer herkömmlichen Bühne unterbringen kann, und die Primadonna ist der unglaubliche Vokal- und Sprachartist DAVID MOSS.
Der innovative Antrieb von starshipUtopia verzichtet auf herkömmliche Energieressourcen und wird stattdessen mit den Ideen und dem utopischen Material der gesamten Menschheitsgeschichte befeuert. Das scheint genial, führt aber zu Problemen, mit denen man so zunächst nicht rechnet: Campanella soll mehr Schubkraft bringen, Platon ist schon weg, der Antrieb zickt.
Wohin führt also die Reise von starshipUtopia? Ins Nirgendwo? Oder doch ins Hier und Jetzt? Man wird es sehen...
Als Zugabe zu starshipUtopia spielen die Jungs von Ohrpilot am 24. Oktober ein Konzert direkt im Anschluß an die Vorstellung: Der Woofer-Gig des OHRPILOT SOUNDSYSTEMS verpflichtet sich inhaltlich der zuvor gesehenen Oper, und es wird richtig laut.
Nächste Woche (31. Oktober) feiern wir dann Die Helle Nacht des Nichts der Angst, die Premiere der neuen Produktion von SEBASTIAN MAUKSCH mit ANNE TISMER und ihrer Tochter OKKA HUNGERBÜHLER.
08-10-06
HART, GANZ HART
Fausto hat die Schnauze voll. Er knallt die Tür von seinem Elfenbeinturm hinter sich zu und stürzt sich in das pralle Leben. Aufs Blumenauer Oktoberfest und in die Favela, immer eingedenk dem Motto: "If you don’t give a fuck, you don’t get a fuck!"
Heute abend ist es so weit: Faust auf Faust, die absolut erste deutsche Klassikeradaption von DAS HELMI hat auf Umwegen über Brasilien und Frankfurt am Main den Weg zu uns gefunden. Dazu: Die echte CORA FROST, die nicht nur Lieder und Texte beigesteuert hat, sondern live auf der Bühne Gretchen, die auch Margarida heißt, Stimme und Gestalt leiht. Hart.
Was DAS HELMI schon lange wissen – nämlich, daß es für Theater manchmal gar nicht so viel braucht, das hat sich jetzt auch OKKA HUNGERBÜHLER für ihren ersten eigenen Abend am Ballhaus zur Maxime gemacht: Okka singt und kocht, Julius spielt Gitarre. Dann ist da noch Lasse, was macht der eigentlich? Singt Okka für Lasse? Da geht es dann schon los mit den Fragen... Premiere von Atlantikkochstudio am 08. Oktober – und das Beste an einem gelungenen Theaterabend: Hinterher gehen alle wieder nach Hause.
Unter der Woche dann noch die Wiederaufnahme und -aufgabe des Megacityrechercheprojekts Alles wird sich hier verändern von UNITEDOFFPRODUCTIONS, ab dem 08. Oktober gibt es die letzten 3 Gelegenheiten, die Inszenierung in Kombination mit dem Dokfilm Der Gesang des Tzentzonle in Berlin zu sehen.
Wer Hintergarten immer noch nicht gesehen hat, sollte das bald tun. Und dann geht’s auch schon weiter, das starshipUtopia ist im Anflug.