Beatriz 1968

In dieser musikalischen Lecture Performance streift ein Kollektiv von Minnesänger*innen durch die Archive des Pariser Mai, des Prager Frühlings und der oppositionellen Bewegungen in der DDR. Inspiriert von Irmtraud Morgners opulentem Montage-Roman folgen sie den historischen Spuren revolutionärer Hoffnung und erleben die Machtergreifung der Phantasie.  Die mittelalterliche Trobadora Beatriz de Dia erwacht nach einem 800-jährigen Schlaf, während im Frühjahr 1968 in Paris die Unruhen der Studentenbewegung toben. In der Hoffnung auf gesellschaftlichen Fortschritt und die Emanzipation der Geschlechter begibt sie sich auf die Suche nach dem Drachen Tarasque und der schönen Melusine. Ihre Reise durch Südfrankreich führt sie jedoch in prekäre Verhältnisse: Sie wird als Papierlose auf einer Baustelle zur Schwarzarbeit und Prostitution gezwungen, landet in der Psychiatrie und schließlich in einer bürgerlichen Ehe mit einem Gemüsehändler. Während sie sich in den Widersprüchen der Wirklichkeit verfängt, verpasst sie in einer bitteren Ironie des Schicksals den Pariser Mai. Und doch hält die eigensinnige Trobadora an der Möglichkeit eines anderen Lebens fest – ein Akt trotziger Lebensbejahung.  Wie konnte in der DDR von der Poesie der Straße erzählt werden? Und vor allem: Wie lässt sich heute noch davon singen? Auf der Jagd nach phantastischen Zukunftsvisionen und mit dem Wunsch, das Leben neu zu erfinden, steigen die Trobadoras auf die Barrikaden aus zerstörten Gemüseläden, wo sie alte wie neue Gesänge des politischen Widerstands erklingen lassen. BEATRIZ 1968 ist Romanadaption, immersives Historienspektakel, Fragestunde, Konzert und Besetzung zugleich. Das Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen entwickelt seine Arbeiten in Kellern und auf Opernbühnen und arbeitet seit 2012 an einem radikal zugänglichen Musiktheater. Es vereint in seinen Arbeiten prominente und verborgene Musiken verschiedener Stilrichtungen mit Einflüssen aus Schauspiel, Oper, Film, Philosophie, bildender Kunst und Performance.

i feel nothing

Ein gewöhnlicher Arbeitstag bei der Firma Cyborgs4evrthng GmbH: Zwei Fabrikarbeiter:innen sind im Auftrag eine Maschine am Laufen zu halten. Bei ihrer Arbeit mit Bohrmaschinen verweben sich handwerkliche und sexuelle Gesten und eine strukturelle Ähnlichkeit von Bohren und Penetration wird sichtbar. Mit jedem Bohrloch dringen sie tiefer in die Mechanik ihres inneren Kraftwerks vor und stoßen auf das, was sie antreibt. Pflüger und Weibel nutzen Technologie als Spiegel und fragen: Was bedeutet es funktional und produktiv zu sein und welche Rolle spielen Emotionen und menschliches Verlangen dabei? Mit Bewegung, Sound und Stimme untersucht »i feel nothing« den Produktivitätsfetisch als prägendes Konzept kapitalistischer Gesellschaften. Im Umgang mit Handwerksmaschinen verschwimmen die Grenzen zwischen produktiver Tätigkeit und performativem Akt, zwischen Mensch und Maschine. Die entstehenden Geräusche werden live in eine Soundscape verwandelt. Das Publikum findet sich in einer Cyborg-Science-Fiction-Welt wieder, in der Technologie, Macht und ihr Einfluss auf Körper und Sexualität neu verhandelt werden. Marlen, Eva, Caterina und Julie bewegen sich zwischen experimentellem Tanz, Stimme, Sound und visueller Kunst. Sie teilen einen queer-feministischen Blick, arbeiten kollektiv und begreifen den Körper als Ausgangspunkt und Quelle ihrer Recherche.

Thieves from Heaven

»Thieves From Heaven« beschäftigt sich mit einem der wirkmächtigsten Mythen der Yoruba Kultur: der Geschichte vom Àbíkú – dem »Spirit Child«. Dieser Mythos ist nicht nur integraler Bestandteil der Yoruba Kosmogonie, sondern er ist auch eng mit der Geschichte des vorkolonialen, westafrikanischen Königreichs Oyo verbunden. Die Deutung bzw. Auslegung des Mythos und seiner Geschichten sind so vielfältig wie die nigerianische Gesellschaft selbst. In diesem Projekt setzt sich nun eine junge Generation von nigerianischen Tanzkünstler*innen in Kooperation mit der Company Christoph Winkler mit dem Mythos der Geisterkinder auseinander. Sie befragen die Geschichten und ihre zahlreichen Interpretationen vor dem Hintergrund ihrer eigenen Identität neu und entwickeln daraus eine choreographisch inspirierte Arbeit. Christoph Winkler erarbeitet seit 1996 als freischaffender Künstler mehr als 80 Tanzstücke und ist einer der profiliertesten und vielseitigsten Choreografen Deutschlands. Seine Arbeit umfasst ein weites Spektrum von Formaten und reicht von sehr persönlichen bis hin zu politischen Themen. Unter dem Dach der Company Christoph Winkler bringt er Tänzer*innen aus der ganzen Welt zusammen, um als temporäre Kollektive an einem weiten, inhaltlichen Spektrum zusammenzuarbeiten.

Monika Ertl – Eine Frage des Widerstands

Monika Ertl, Tochter des Riefenstahl-Kameramanns Hans Ertl, verlässt Ende der 1960er Jahre ihre privilegierte Ehe in Bolivien, schließt sich 1969 der von Che Guevara im Land aufgebauten Guerilla an und radikalisiert sich von einer Aktivistin zu einer mutmaßlichen politischen Attentäterin. Ihr Kampf gegen die bolivianische Diktatur führt auch zur Konfrontation mit dem NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie, der vom US-Geheimdienst CIC eingeschleust wurde und für das Militärregime tätig ist. Ihm sind wiederum die französischen Nazi-Jäger Serge und Beate Klarsfeld und Régis Debray auf der Spur. Für Monika Ertl endet die Spirale aus Staatsgewalt und Gegengewalt tödlich.In »Eine Frage des Widerstands« entwerfen vier Schauspieler*innen aus Deutschland, Frankreich und Bolivien mit einer Vielzahl von filmischen Sequenzen, Zeitzeug*innen-Interviews, Archivmaterial, theatralen Szenen und musikalischen Entwürfen ein Stück über das Leben und die Motive von Monika Ertl. Im Spannungsfeld von Widerstand, Gewalt und Revolution fragen sie: Wie können wir von diesem filmreifen, revolutionären Leben erzählen? Ab wann und warum greift eine Zivilistin zur Waffe? Wer legitimiert Gegengewalt? Und wie würden wir selbst handeln, wenn sich unsere Demokratie zu einer Diktatur wandeln und beginnen würde, Menschen verschwinden zu lassen?Die Inszenierung bildet den dritten und abschließenden Teil in Felix Meyer-Christians zehnjähriger dokumentarischer Theatertrilogie (2016 bis 2026) über das außergewöhnliche und oftmals unbekannte Leben Monika Ertls. Dafür filmte er mit der COSTA COMPAGNIE auf zwei Kontinenten in La Paz und Paris, Santa Cruz und Lyon, den Alpen und den Anden und interviewte ehemalige Kämpfer*innen, Zeitzeug*innen und Historiker*innen. Die Langzeitrecherche mündet 2027 in einen eigenständigen Dokumentarfilm unter der Regie von Meyer-Christian, in Koproduktion mit ZDF und in Zusammenarbeit mit ARTE. Die COSTA COMPAGNIE aus Berlin entwirft seit 2012 dokumentarische Arbeiten, die performative, filmische und choreografische Methoden miteinander verbinden und in Inszenierungen, immersiven 360°-Performances, Virtual & Augmented Reality und Film umgesetzt werden. Sie fokussiert sich auf globalpolitische Umbrüche, Kriegs- und Konfliktregionen und die Frage nach den Menschen darin, die oftmals in Kunst, Medien und Politik unterrepräsentiert bleiben. Dazu recherchiert und filmt die Gruppe u.a. in der Ostukraine, Palästina, Israel, Libanon, Irak, Afghanistan, den USA, Thailand, Japan, Mosambik und Südsudan. Arbeiten wurden u.a. präsentiert beim Impulse-Festival, dem Festival Politik im Freien Theater, beim Achtung-Berlin Filmfestival und beim Filmfestival Max Ophüls Preis. NACHGESPRÄCHEIm Anschluss an die Aufführungen am FR 6.11. SA 07.11. und SO 08.11. findet jeweils ein Nachgespräch mit Mitgliedern des Ensembles, sowie mit dem Regisseur statt. Der Besuch von Dr. Hasserer am 7.11. muss leider entfallen.

Ex Silens. A communal ritual of sensory reconfiguration

»Ex Silens« verbindet Bewegung, Klang, Raum und Technologie, um das Publikum in eine radikal alternative Sinneswelt einzuladen. Marco Donnarumma hat ein Ritual geschaffen, das unsere Sinne neu ordnet. Musik und Licht erzeugen tranceauslösende Schallwellen. Cochlea-Implantate und KI-Höralgorithmen werden zu Biomaschinen, die Klänge vom Körper des Darstellers verstärken, um sie durch die Körper des Publikums zu verbreiten. Diese neuen Organe, konzipiert und handgefertigt vom Künstler, vergrößern eine kaleidoskopische Klangwelt, die schon immer da war. »Ex Silens« bietet sowohl gehörlosen und schwerhörigen als auch hörenden Zuschauer*innen ein audiovisuelles Erlebnis, das Begriffe wie Taubheit und Cyborg völlig neu denkt.  Im Rahmen des NO LIMITS Disability & Performing Arts Festival. #disabledleadership #disabledauthorship #alldisabledcast #livedexperience #latedeafened Koproduziert von PACT Zollverein und mit wissenschaftlicher Unterstützung durch das Intelligent Instruments Lab an der Isländischen Universität der Künste in Reykjavík. Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen eines Medienkunststipendiums.

Bodies we fall for

Zwei junge Frauen erzählen live auf der Bühne ihre unverfälschte, zarte und inklusive Wahrheit über Liebe und Sexualität. Auf der Grundlage echter Erfahrungsberichte wirft diese dokumentarische Performance Fragen zu ersten Küssen, Verabredungen, Sex und digitalen Begegnungen auf, vor allem aber: Haben alle Körper den gleichen Zugang zur Liebe? »Bodies we fall for« ist eine zugängliche dokumentarische Performance über die Liebe im zyprisch-griechischen Dialekt und geprägt von kreativen Formen der Barrierefreiheit wie integrierter Audiodeskription, Gebärdensprachdolmetschung, Übertiteln, einer Tastführung und multisensorischen Elementen. Mit Zärtlichkeit, Humor und ungeschönter Ehrlichkeit verhandelt der Abend Liebe als Zugang, als politischen, zutiefst persönlichen und zugleich universellen Akt des Widerstands. Im Anschluss an die Vorstellung findet, nach 30-minütiger Pause, ein Publikumsgespräch (40 Minuten) statt, mit DGS-Verdolmetschung und Flüsterübersetzung auf Deutsch. Moderation: Yulia Yáñez Schmidt.Im Rahmen des NO LIMITS Disability & Performing Arts Festival. #aestheticsofaccess #disabledauthorship #livedexperience

Nicht-Uncool. Ein Battle-Rap + Party

Wenn MC Hot-Shark-Stephen gemeinsam mit Beatbox-Legende Poseidon, Dancing Goddess Lia und Master of Disaster Josh zusammen Musik machen, bebt die Bühne! Mit wummernden Beats, kreativem Sprachwitz und mitreißenden Moves treten die Künstler*innen in energiegeladenen Battles gegeneinander an. Hier entscheiden nicht nur Rhythmus und Rhymes, sondern auch Mut und Selbstvertrauen. Was bedeutet es, wirklich »cool« zu sein? Welchen Battles begegnen wir im Leben? Sind wir bereit, sie zu gewinnen? Im Anschluss an die Performance findet ab 21:30 Uhr die Festival-Abschlussparty statt. Im Rahmen des NO LIMITS Disability & Performing Arts Festival. #disabledleadership #disabledauthorship #livedexperience

Sleight of Hand

»Sleight of Hand« lädt das Publikum ein, unbekannte Objekte, Materialien und Substanzen mit den Händen zu erleben. Durch die Verbindung von Audiodeskription, taktiler Gestaltung, Choreografie und einer immersiven ASMR-Klanglandschaft erkundet »Sleight of Hand«, was wir entdecken können, wenn wir unseren Griff um die bekannte visuelle Welt lockern und unsere Sinne schweifen lassen. Jo Bannon, die 2019 mit zwei Performances bei NO LIMITS zu Gast war, prägt ihre Arbeiten mit schrägem Humor und einer anhaltenden Faszination für Objekte, visueller Wahrnehmung und einem Staunen über die Merkwürdigkeit der alltäglichen Welt. Im Rahmen des NO LIMITS Disability & Performing Arts Festival. #aestheticsofaccess #disabledauthorship #livedexperience

La Quatschouette #28

Eine Bühne, ein Abend, eine Frage: »Are we a thing?«La Quatschouette und Le Lampenfieber tun sich zusammen für eine Sonderausgabe voller Texte, Stimmen und Unfug. Liebe, Beziehungsstatus, Missverständnisse, verpasste Chancen, WhatsApp-Nachrichten, die man dreimal umformuliert hat, alles, was zwischen Menschen »ein Ding« werden kann, ist Thema. Textform, Performance, Lipsync, Gesang, was auch immer euch dazu einfällt: die Bühne gehört euch. Ihr wollt nicht selbst ans Mikro, aber dennoch eure Texte präsentieren? Bringt sie ausgedruckt mit oder schickt sie vorab an laquatschouette@gmail.com. Unsere Brieftauben lesen sie dann für euch vor! Und als Sahnehäubchen: eine Überraschung vom Netzwerk der französischsprachigen Autorinnen.Kommt vorbei, bringt was oder wen mit, oder einfach nur eure Ohren. Freier Eintritt, alle Sprachen sind willkommen. La Quatschouette ist Teil des Le Lampenfieber 2026 Festival »Are We A Thing?«.

The Game We Knew but Didn’t Play

Können wir den Moment erkennen, in dem wir eine Grenze nicht überschreiten, nicht zustimmen oder nicht wegsehen sollten? Können wir dem Spiel der Zensur widerstehen, es überleben, stören oder unterlaufen? Und wann beginnen diese Strategien, genau jenes System aufrechtzuerhalten, das sie ursprünglich auszuhalten oder zu überwinden suchten?»The Game We Knew but Didn’t Play« untersucht Zensur als Machtkampf, der in künstlerische Prozesse, Beziehungen und alltägliche Begegnungen eingreift. Die Performance fragt danach, wie Zensur bestimmt, was gesagt und gezeigt werden kann, aber auch, wie sie Institutionen, Gemeinschaften und die Art und Weise prägt, wie Künstler*innen verhandeln, sich anpassen, schweigen, Risiken eingehen oder ihre Arbeit innerhalb restriktiver Strukturen fortsetzen.Die Arbeit basiert auf Azadeh Ganjehs Forschung zu deutschen Theaterproduktionen, die nach der Revolution von 1979 in staatlich kontrollierten Spielstätten der Islamischen Republik Iran gezeigt wurden. Geprägt von den Perspektiven exilierter Künstler*innen, die Zensur erfahren haben, dienen diese Fallbeispiele als Ausgangspunkt für eine Untersuchung von Zensur in unterschiedlichen politischen, kulturellen und institutionellen Kontexten.Entwickelt von den Rebel-IST-hah!-Mitgliedern Foad Esfahani und Azadeh Ganjeh in Zusammenarbeit mit Lisa Lucassen, Jule Flierl und Philine Rinnert, greift die Performance auf dokumentarische Materialien, historische Fallstudien, persönliche Archive, Biografien und performative Handlungen zurück. Gemeinsam erweitern diese Materialien die Auseinandersetzung mit der Frage, wie unser Leben, unsere Entscheidungen und unser Handeln in Systeme der Zensur verstrickt werden.Jede Aufführung eröffnet einen Raum für Fragen. Wie dringt Zensur in diesen Raum ein? Wie wird sie zu einem unsichtbaren Bestandteil ästhetischer Entscheidungen, institutioneller Vereinbarungen oder künstlerischer Kooperationen? Und wer profitiert von den Kompromissen und Verflechtungen, die daraus entstehen?Was wussten wir über das Spiel? Und was könnte geschehen, wenn wir dieses Wissen in Handeln verwandeln? Rebel-IST-hah! ist ein Performance- und Forschungskollektiv, das 2006 von Azadeh Ganjeh und Foad Esfahani in Teheran (Iran) gegründet wurde und seit 2022 seinen Sitz in Berlin hat. Durch Performancekunst, künstlerische Forschung und kollaborative Arbeitsprozesse setzt sich das Kollektiv mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen auseinander und untersucht, wie Menschen Macht durch Körper, Räume, Institutionen und Narrative erfahren. Im Laufe der Jahre hat Rebel-IST-hah! sowohl in konventionellen als auch in ungewöhnlichen Räumen gearbeitet und mit interdisziplinären Künstler*innen, Performer*innen, Forscher*innen sowie unterschiedlichen Communities zusammengearbeitet. Das Spektrum ihrer Arbeiten reicht von Performance-Aktivismus über immersives Theater, Hörspiele und Lecture Performances bis hin zu Bühnenproduktionen. Dabei verbinden sie dokumentarische und Archivmaterialien mit verkörperten Praktiken, Erinnerung und performativen Experimenten. So entstehen Arbeiten, die Aktivismus bezeugen, Erscheinungsraum eröffnen, zur Teilhabe an der Performance und/oder an der gesellschaftlichen Realität einladen und alternative Formen politischen Miteinanders entwerfen.